Sanierung des Seniorenhauses "Alex Müller" in Kaiserslautern
Das Seniorenhaus in Kaiserslautern wird seit Ende 2011 saniert. 60 % der Modernisierungsarbeiten sind mittlerweile abgeschlossen. Hierzu fand eine Pressekonferenz statt.
KAISERSLAUTERN. Seit September 2011 befindet sich das Seniorenhaus „Alex Müller“ im Umbau. Alle sechs Ebenen werden im laufenden Betrieb nacheinander modernisiert. In den fertig gestellten Bereichen wird bereits das neue moderne Betreuungs- und Pflegekonzept umgesetzt. Der typische Altenheimcharakter ist verschwunden. Ältere Menschen mit körperlichen und gerontopsychiatrischen Erkrankungen finden hier ein Zuhause. Die neuen Wohn- und Lebensräume sind so konzipiert, dass sie räumlich und fachlich auf die jeweiligen Bedürfnisse der Bewohner zugeschnitten sind.
1967 hat die AWO Pfalz das Seniorenhaus in der Donnersbergstraße in Kaiserslautern errichtet. Damals war es ein Altenwohnheim mit einer Pflegeabteilung, mit eigenem Park, am Rande der Stadt. Anfang der 1990er Jahre wurde das Haus bereits einmal nach den damaligen Standards saniert. Rund 200 alte Menschen fanden vor der aktuellen Modernisierung im Seniorenhaus ein Zuhause. Nach der Sanierung wird die Anzahl der Plätze auf 181 reduziert sein. Einige Zimmer werden zu Gunsten der Entstehung von Gemeinschaftsräumen abgebaut. Die Plätze verteilen sich auf 40 Zimmer für je zwei Personen und 101 Einzelzimmer. Während der laufenden Arbeiten ist die Platzzahl um circa 20 Prozent reduziert.
Sechs von elf Bauabschnitten sind bereits modernisiert. In den neu eingerichteten, modernen Wohnbereichen, können Menschen individuell nach ihrem Krankheitsbild, ihren Ansprüchen und Wünschen betreut und gepflegt werden, sagt Einrichtungsleiter, Alwin Emmenecker. Circa alle 3 Monate kann ein neuer Bereich in Betrieb genommen werden, sodass die Modernisierung voraussichtlich im Mai 2014 abgeschlossen sein wird.
Durch die Modernisierung werden Räumlichkeiten so gestaltet, dass den Bedürfnissen der Bewohner noch stärker Rechnung getragen werden kann. So werden vor allem die Sinne der Bewohner aktiviert, Ängste abgebaut und Wohlbefinden gefördert.
In allen neu gestalteten Bereichen sorgt ein Lichtkonzept für eine tageslichtähnliche Atmosphäre. Sowohl in den Fluren, als auch in den Zimmern der Bewohner wurden neue Lampen installiert. In den Fluren kann somit eine an die Tageszeit angepasste Lichtstimmung erzeugt werden. Diese Lichtsimulation sorgt dafür, dass gerade verwirrte Menschen sich besser zu Recht finden können. Dieser gewohnte Ablauf schafft Sicherheit. Neben der Installation des Lichtsystems wurden auch die technischen Anlagen modernisiert und ein zeitgemäßes Energiekonzept umgesetzt.
Ein besonderes Highlight ist der behütete Bereich im Erdgeschoss, für den eigens ein Pavillon angebaut wurde. „Dieser Bereich ist speziell für an Demenz erkrankte Menschen konzipiert, die einen erhöhten Bewegungsdrang haben“, so Alwin Emmenecker, „hier bieten wir ein hohes Maß an Vertrautheit und Sicherheit ohne freiheitsentziehende Maßnahmen“. Bei gerontopsychiatrisch veränderten Menschen, die noch sehr mobil sind entsteht oftmals die Tendenz zum Weglaufen. Trotzdem wird es im Seniorenhaus „Alex Müller“ keine geschlossene Abteilung geben.
Statt dem Verschließen der Türen wurde der Bereich so gestaltet, dass die Bewohner ihrem Bewegungsdrang sowohl im Wohnbereich, als auch im eigens angelegten Garten nachkommen können. Die Ausgangstür ist mit einer Fotofolie, die ein Motiv aus dem Japanischen Garten in Kaiserslautern zeigt, verkleidet und wirkt so nicht wie ein Ausgang. Im Garten wurden eigens Hochbeete, ein Rundweg sowie Sitzmöglichkeiten angelegt. Außerdem ist ein Teil des Gartens gegen Sonne und Regen geschützt. Zugänglich ist der Garten über den Pavillon, in dem tagesstrukturierende Maßnahmen durchgeführt werden und immer eine Betreuungskraft anwesend ist. Der Bereich für Demenzerkrankte hat bereits eine Warteliste.
Der Pavillon ist so konzipiert, dass er als Dachterrasse durch den Wohnbereich im ersten Obergeschoss genutzt werden kann. Der Wohnbereich, mit palliativem Ansatz ermöglicht somit einen Aufenthalt an der freien Natur auch für Menschen in der letzten Lebensphase, die ihr Bett nicht mehr verlassen können. In diesem Wohnbereich steht die spezialisierte Pflege und Betreuung, z.B. für Menschen im Wachkoma, im Vordergrund. Die Teilnahme am Gemeinschaftsleben wird ermöglicht und über die verbale Kommunikation hinaus werden die Sinne angeregt. Für Angehörige besteht die Möglichkeit, sich in die Tagesgestaltung mit einzubringen.
Durch die baulichen Veränderungen, die durch die Deutsche Fernsehlotterie mit rund 250.000 Euro gefördert wurden, besteht die Möglichkeit, Bewohner mit gleichen oder ähnlichen Verhaltensformen in den einzelnen Wohnbereichen zusammen zu führen. Unterschiedliche Gewohnheiten der Bewohner führen oftmals zu Konflikten untereinander, die durch die Spezialisierung oft vermieden werden können. Die Steigerung der Bewohnerzufriedenheit steht an erster Stelle.
Biografiearbeit ermöglicht, dass das Leben der Bewohner im Seniorenhaus dem im früheren Zuhause ähnelt und alten Gewohnheiten weiter nachgegangen werden kann. Hierfür ist es auch wichtig, dass es in jedem Bereich eine eigene Küche gibt, in der die Bewohner bei der Zubereitung von Mahlzeiten beteiligt sind. Auch die Gestaltung der Wohnräume, orientiert sich an der Einrichtung, wie sie in Privathaushalten üblich ist. Bei der Gestaltung der Bewohnerzimmer werden individuelle Wünsche und Bedürfnisse berücksichtigt.
„Wir freuen uns mit der Fertigstellung eines jeden Wohnbereichs unseren Bewohnern eine individuellere Betreuung und Pflege bieten zu können. Die Zufriedenheit unserer Bewohner zeigt, dass es uns gelingt, ihr Wohlbefinden und ihre Freude am Leben im Haus zu steigern“ , so Alwin Emmenecker.
